Burnout im Rocker-Prozess

Zeugin hat abgesagt: V-Mann-Prozess wird zur unendlichen Geschichte

Die Würzburger Justiz hat seinen Fall seit Ende 2011 am Bein und würde ihn gerne beenden. Auch der ehemalige Rocker-V-Mann Mario F. (49) dürfte genug haben: Über 30 Prozesstage in einem ersten Verfahren um seinen aus dem Ruder gelaufenen V-Mann -Ein­satz bei den Regensburger „Bandidos“.
Im zweiten Prozess sind es schon zwölf Verhandlungstage, weitere werden hinzukommen – Mario F. will Rehabi­litierung, deswegen machen er und sei­ne Verteidiger unbeirrt weiter.
Auch eine Kriminalbeamtin aus dem Landeskriminalamt lässt die Rocker­ szene nicht los. Zu der Zeit, in der Ma­rio F. als V-Mann die „Bandidos“ infiltrierte, war die Frau Rockersachbe­arbeiterin des LKA und arbeitete eng mit dem V-Mann-Führer von Mario F. zusammen . Zweimal hat die Straf­kammer in Würzburg die Rockerspe­zialistin als Zeugin geladen – zweimal hat sie abgesagt. Sie leidet, so ein Schreiben des LKA-Psychiaters, an Burn-out.
Die Frau ist für die Verteidiger von Mario F. eine wichtige Zeugin. Sie soll über Mauscheleien und Vertuschung aussagen, die im LKA im Zusammen­ hang mit Mario F.’s Einsatz in der Ro­ckerszene erfolgt sein sollen: Wie mehrfach berichtet, wird gegen den damaligen V-Mann-Führer von Mario F. und andere LKA-Beamte ermittelt. Der damalige V-Mann-Führer soll über einen Baggerdiebstahl der „Bandidos“ frühzeitig Bescheid gewusst haben und nichts dagegen getan haben. Das mutmaßliche Motiv der für den Kampf gegen die kriminelle Rockerszene so wertvolle V-Mann Mario F. sollte nicht enttarnt werden.
Es geht um zehn Gramm Crystal Speed
Gegen fünf andere LKA-Leute wird we­gen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt sie sollen versucht haben, die strafbaren Handlungen des V-Mann-Führers zu vertuschen. Das ginge nach Ansicht der Verteidiger auf Kosten von Mario F. Dass das LKA Straf­taten deckte, die er während seines V­ Mann-Einsatzes „zur Aufrechterhal­tung seiner Legende“ begangen habe, führe dazu, dass Mario F. sich zu sol­chen Taten „provoziert“ gefühlt habe.
Im konkreten Fall geht es um zehn Gramm Crystal Speed, das der V-Mann Ende November 2011 bei Waidhaus aus Tschechien einführte, um es angeblich als Partydroge für ein vom LKA observiertes Treffen zwischen dem da­maligen Regensburger „Bandido“ Prä­sidenten Ralf K. und Mitglieder der ver­feindeten „Heils Angels“ mitzubrin­gen.
Nur wegen des Waidhaus-Falles gibt es den zweiten V-Mann-Prozess: Im ersten Verfahren hatte Mario F. über sieben Jahre Haft bekommen – der Zehn-Gramm-Schmuggel wurde aber von Bundesgerichtshof in der Revision aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen.

WÜRZBURG 27.04.2016
Von Manfred Scherer

Nordbayerischer Kurier Bayreuth
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