V-Mann-Auto mit Kilometerproblem

Das LKA hat sich offenbar etwas von unseriösen Autohändlern abgeschaut

V-Mann-Auto mit Kilometerproblem

Den Kilometerstand auf Tachos zurückzudrehen, ist eine gängige Praxis der Gebrauchtwagen-Mafia und unseriöser Händler. Aber: Hat sich auch das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) dieser Methode bedient?

MÜNCHEN/NÜRNBERG — Wie Antje Gabriels-Gorsolke, Sprecherin der Nürnberger Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte, laufen gegen Beamte der Behörde entsprechende Ermittlungen. Auf die Trickserei sind die Ermittler in Zusammenhang mit der sogenannten „V-Mann-Affäre“ gestoßen, die die Behörde ohnehin in ein wenig vorteilhaftes Licht taucht. Die Liste der Vorwürfe, die sich gegen sechs LKA-Beamte richten und in einem Prozess gegen einen V-Mann ans Licht kamen, ist lang. Unter anderem sollen die Beamten in den Diebstahl von Baggern verwickelt sein, Akten manipuliert, Aussagen abgesprochen haben und Hinweisen auf Straftaten nicht nachgegangen sein. Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, der den V-Mann vertritt, ist sich in der Einschätzung des Falls sicher: „Das hatte System.“ Besonders stark in den Fokus der Ermittlungen ist der für die Führung des V-Manns zuständige LKA-Beamte geraten, der erst vor wenigen Wochen wegen des systematischen Ausforschens der rund 1000 Bewohner seines Heimatortes in Unterfranken vom Amtsgericht München zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt worden ist. Die Ermittler aus Nürnberg, die gegen ihn und fünf seiner Kollegen unter anderem wegen Strafvereitelung im Amt ermitteln, gehen davon aus, dass der V-Mann-Führer auch maßgeblich in die Tachomanipulation involviert ist. Er bestreitet das. Bekannt ist, dass der mehrfach vorbestrafte V-Mann im Auftrag des LKA die Regensburger Rocker-Bande „Bandidos“ ausspähen sollte. Das LKA, so das bisherige Ergebnis der Ermittlungen, sorgte für ein standesgemäßes Auftreten ihres V-Manns und stellte ihm einen Mercedes der E-Klasse zur Verfügung. Angemietet wurde die Nobelkarosse bei einem großen Münchner Autovermieter. Probleme tauchten dann aber bei der Rückgabe des Fahrzeugs auf, weil die im Vertrag vereinbarte Kilometerleistung weit überschritten worden war. In Verhandlungen mit der Chef-Etage erreichte das LKA immerhin einen deutlichen Rabatt. Statt der an sich fälligen 18000 Euro Nachzahlung kam die Behörde mit dem halben Betrag davon. Das nächste Fahrzeug für die „Dienstausübung“ des V-Manns, wieder ein E-Klasse-Mercedes, wurde diesmal vom LKA direkt über eine große Niederlassung des Autoherstellers geleast. Am Problem einer am Ende viel höheren Fahrleistung als im Vertrag (40000 km) vereinbart, änderte sich nichts – allerdings bei der weiteren Vorgehensweise der involvierten LKA-Beamten, die sich offensichtlich um eine weitere hohe Nachzahlung drücken wollten. „Wir gehen nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen davon aus, dass der Kilometerstand deutlich nach unten manipuliert worden ist“, erklärte die Sprecherin der Nürnberger Staatsanwaltschaft. Aus sichergestellten Unterlagen bei Durchsuchungen von Privat- und Diensträumen beschuldigter LKA Beamter geht hervor, dass das betrügerische Zurückdrehen des Tachos von einem zwielichtigen Autohändler nicht nur mit Billigung von LKA-Beamten erfolgt, sondern auch aus dem Etat der Behörde bezahlt worden sein soll. „Das entspricht genau dem, was in der ganzen Affäre bisher schon zu Tage kam. Das LKA hat nicht nur die Augenzugedrückt, sondern war aktiv an strafbaren Handlungen beteiligt“, sagt Rechtsanwalt Schmidtgall.

 

Von Helmut Reister – Printmedial am Dienstag, 27. September 2016

 

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