V-Mann Prozess: LKA-Mann beschuldigt Kollegen

Kriminalrat Hans S. (58) ist es egal, dass er als Nestbeschmutzer gelten könnte. Er fühlt sich von Kollegen betrogen. Das macht er als Zeuge mit kaum unterdrückter Empörung deutlich: Ihm sei „heiß und übel“ geworden, als er merkte, dass er von Kollegen hintergangen worden war. Hans S. war bis November 2015 Chef des polizeilichen Teils der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des LKA mit dem Zoll.

Ermittlungen gegen mehrere Beamte

Zu seinen Untergebenen gehörten auch die zwei Führungsoffiziere des V-Manns Nr. 113 Mario F. Der war seit Februar 2011 als Spitzel bei den „Bandidos“ in Regensburg eingesetzt, einer kriminellen Rockergruppe, die das LKA zum organisierten Verbrechen zählt. Wie berichtet, ist über den aus dem Ruder gelaufenen Rockereinsatz von Mario F. die V-Mann-Affäre im Landeskriminalamt entstanden. Gegen mehrere LKA-Beamte wird wegen Straftaten im Amt ermittelt. Als Hauptbeschuldigter gilt Mario F.’s V-Mann-Führer. Unter anderem steht er in Verdacht, von einem Baggerdiebstahl durch Regensburger „Bandidos“ so frühzeitig gewusst zu haben, dass er der Beihilfe des schweren Diebstahls beschuldigt wird. Die Verstrickung des LKA-Mannes sollte vertuscht werden.

Falscher Bericht mit Unterschrift des Chefs

Wie, das berichtet Hans S. so: Der Beamte hatte den Auftrag bekommen, die V-Mann-Akten im Fall Mario F auf Unregelmäßigkeiten durchzusehen. Und ihm fiel auf, dass der Bericht über den Baggerdiebstahl gefälscht worden war. Dass Infos, die der V-Mann Mario F. vorab über den geplanten Diebstahl gegeben hatte, entfernt worden waren. Und das der falsche Bericht auf der letzen Seite mit seiner Unterschrift „geschmückt“ worden war.

Hans S. berichtete auch, dass Kollegen aus dem Münchner LKA-Referat für Organisierte Kriminalität die V-Mann-Akte angefordert hatten und er die Akte im Original am11. Juni 2013 übergeben hatte. Damals seien die Passagen, in denen es um den „geplanten“ Diebstahl der Bagger ging, noch in der Akte gewesen. Nur drei Tage später, so stellte Hans S. später fest, sei die belastende Passage gestrichen worden. Interessant ist der zeitliche Zusammenhang, denn im ersten V-Mann-Prozess hatte die Verteidigung kurz  zuvor, am 3. Juni, beantragt, die geheimen V-Mann-Akten zu beschlagnahmen. Für Verteidiger Schmidtgall ist klar: Das LKA, das damals einen Prozessbeobachter im Verfahren sitzen hatte, hatte „Angst vor der möglichen Beschlagnahme“.

Von gefälschter Akte gibt es eine Sicherungskopie

Hans S. berichtete, dass er zum Glück eine Sicherungskopie der gefälschten V-Mann-Akten hatte. Diese Sicherungskopie ist ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen gegen die in der LKA-Affäre beschuldigten Kollegen. Hans S. berichtete auch, dass Mario F. von zwei Dealern aus dem Bereich Hof berichtet hatte. Die zwei Männer wurden später mit 63 Gramm Crystal festgenommen und behaupteten, Mario F. sei in die Sache verwickelt. Im ersten Prozess wurde der Umstand, dass der V-Mann über den Deal vorab berichtet hatte, von LKA-Zeugen bestritten – und Mario F. im August 2013 unter anderem wegen Beihilfe an diesem Deal verurteilt. Verteidiger Norman Jakob resümierte nach der Aussage von Hans S.: „Er hat mir das Vertrauen ins LKA wenigstens zum Teil wiedergegeben.“

Im zweiten V-Mann-Prozess geht es eigentlich „nur“ um einen Teil seines Schuldspruchs: Das Einschmuggeln von 9,7 Gramm Crystal im November 2011 über die Grenze bei Waldsassen. Nur diese Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben. Die Behauptung, dass er auch in diesem Fall seine Führungsoffiziere vorab in Kenntnis gesetzt hatte, kann der Ex-Mann bislang nicht beweisen. Der Prozess wird fortgesetzt.

gefunden auf

Nordbayerischer Kurier Bayreuth
Nordbayerischer Kurier Bayreuth

am 31.05.2016 Würzburg/Nürnberg Von Manfred Scherer